Rückenfit im Job

So vermeiden Sie arbeitsbedingte Rückenschmerzen

Rückenschmerzen im Job – wem diese Thematik durch den Kopf geht, der denkt in erster Linie an Verspannungen infolge von Bürojobs. Doch auch andere Arbeitnehmer sind von arbeitsbedingten Rückenschmerzen betroffen: Ob Lehrer, Ärzte, Bäcker oder Altenpfleger – in nahezu jedem Beruf können Überlastungen oder die falsche Körperhaltung zu Verspannungen führen, die mit Schmerzen einhergehen. Und entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass vor allem ältere Menschen unter Rückenschmerzen leiden, trifft es häufig auch junge Mitarbeiter.

Dr. Munther Sabarini, Neurochirurg und Gründer der Avicenna Klinik in Berlin, ist ein Experte auf dem Gebiet arbeitsbedingter Rückenschmerzen. Er hat ein paar Tipps entwickelt, wie jeder Arbeitnehmer etwas für seinen Rücken tun kann.

Mehr Bewegung

Bürojobs gelten aufgrund des vielen Sitzens am Schreibtisch als besonders rückenschädlich. Immer in der gleichen Haltung, die Hand an der Maus und meist mit krummem Rücken: Für den Rücken gibt es durchaus Schöneres als einen Tag auf einem Bürostuhl. Denn Sitzen belastet den Rücken in weitaus höherem Maße als Stehen oder Gehen. Studien zufolge erhöht sich der Druck auf die Rückenpartien beim Sitzen sogar um 150 Prozent, da das Gewicht des gesamten Oberkörpers nebst Kopf und Armen auf der Lendenwirbelsäule und dem Becken landet. Dr. Sabarini empfiehlt aus diesem Grund Bewegung: „Um Verspannungen der Muskulatur zu vermeiden, sollten Büroangestellte in Bewegung bleiben. Egal ob der Gang zum Drucker, das Wechseln der Sitzhaltung in regelmäßigen Abständen oder ein Spaziergang in der Mittagspause – bereits kleinste Maßnahmen helfen dem Körper, die Wirbelsäule zu strecken und sie zu entlasten.“

Mehr Abwechslung

Jeder zweite Arbeitnehmer führt seinen Job teilweise oder sogar gänzlich im Stehen aus. Genau wie permanentes Sitzen wirkt sich auch Stehen laut Dr. Sabarini negativ auf die Rückengesundheit aus. Denn: Die Muskulatur erfährt dabei durchgängig eine hohe Belastung und ermüdet nach einiger Zeit. Als Folge übernehmen Bandscheiben und Bänder die Stützfunktion, wodurch es zum Versteifen der Gelenke und zu einer ständigen Ausbalancierung des Körpergewichts kommt. Um „standfest“ und rückenfit zu bleiben, sollten sich Arbeitnehmer, die ihren Job überwiegend im Stehen ausüben, deshalb zwischendurch unbedingt bewegen oder – wenn möglich – zwischen Stehen und Sitzen wechseln. Auch kleine „Übungen“ erzielen laut Dr. Sabarini durchaus große Wirkung: „Den Fuß auf einen Treppenabsatz oder eine kleine Stufe zu stellen oder den Rücken an eine Wand zu drücken, hilft bereits, die statische Haltung zu verlassen und einem Hohlkreuz vorzubeugen. Aufrechtes Stehen mit gerader Haltung – und dem Körpergewicht verteilt auf beiden Beinen – unterstützt den Rücken beim Ausbalancieren.“

Mehr Ausgleich

Neben Arbeitnehmern, die vorwiegend sitzen oder stehen, gibt es noch eine dritte Gruppe, die von Rückenschmerzen im Job betroffen ist: Menschen, die lange stehen, schwer heben und zudem häufig in gebückter, hockender oder kniender Position arbeiten müssen. Alten- und Pflegekräfte, Handwerker oder Möbelpacker etwa klagen häufig über Verspannungen im Nacken-Schulter-Bereich, Rückenschmerzen in der Lendenwirbelsäule oder sogar einen Hexenschuss. Auch hier hat Dr. Sabarini ein paar Tipps parat: „Heben Sie schwere Lasten ausschließlich beidhändig mit geradem Rücken und gehen Sie dabei leicht in die Knie, sodass keine einseitige Belastung stattfindet. Ein breiter Stand verteilt das Gewicht zusätzlich und entlastet den Rücken. Besonders schwere Gegenstände sollten Sie möglichst nah am Körper heben, sodass sich der Kraftaufwand verringert.“ Des Weiteren sollten Arbeitnehmer mit körperlich anstrengender Arbeit ruckartige Bewegungen vermeiden, da diese Gelenk- oder Muskelschädigungen erzeugen. Dr. Sabarini weiter: „Arbeitnehmer mit körperlich schwerer Arbeit sollten regelmäßige Pausen einlegen, um den Körper zu entspannen und nach Feierabend regelmäßig Ausgleichssport ausüben.“