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Zahnspangen: Wann? Welche? Wofür?

Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück als Glück“ oder „Um Türen zu öffnen, braucht es mitunter nur ein Lächeln“ – Zitate zur positiven Wirkung eines Lächelns gibt es wahrlich zuhauf. Doch nicht alle Menschen können unbeschwert und lächelnd durchs Leben gehen: Sie zeigen nur ungern ihre schiefen Zähne, leiden an chronischen Schmerzen beim Sprechen und Kauen oder müssen Kopf- und Rückenschmerzen als Folge von Kieferfehlstellungen ertragen. In diesen und vielen weiteren Fällen können kieferorthopädische Behandlungen die Lebensqualität verbessern – und die Lust am Lächeln zurückholen.

Rund zwei Drittel unserer Kinder und Jugendlichen trägt eine Zahnspange, und immer mehr Erwachsene lassen Fehlstellungen ihrer Zähne und Kiefer ebenfalls korrigieren. Die Kieferorthopädie als zahnmedizinische Teildisziplin hat sich in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt, auch dank der Digitalisierung. Ob festsitzend oder herausnehmbar, auf der Außen- oder Innenseite der Zähne, sichtbar oder (fast) unsichtbar: Unterschiedliche Zahnspangen kommen je nach Art und Grad der Fehlstellung sowie nach Alter zum Einsatz. bitte lächeln liefert Ihnen die wichtigsten Antworten rund um eine kieferorthopädische Behandlung: Wann ist sie sinnvoll, was kann sie bewirken – und wie wird sie durchgeführt?

Vor der Einschulung zum Kieferorthopäden

„Ziel der Kieferorthopädie ist es, die Zähne physiologisch korrekt anzuordnen und die Situation lebenslang zu erhalten“, fasst Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski von der Charité Berlin zusammen, „die Kieferorthopädie ist eine sehr komplizierte Disziplin in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Das liegt daran, dass so viele Vorgänge gleichzeitig wirksam sind.“ Um Fehlbisse und Fehlhaltungen bei Kindern rechtzeitig erkennen und professionell gegensteuern zu können, ist spätestens ab dem vierten Lebensjahr eine erste Untersuchung in einer kieferorthopädischen Fachpraxis angeraten.

So lassen sich falsches Schlucken, Lispeln, Lutschen, Lippenbeißen oder Kreuzbisse durch kleine kieferorthopädische Apparaturen sehr gut behandeln und oft noch vor dem Start ins Schulleben beseitigen. „Falls es bei der Gebissentwicklung ein Wettrennen zwischen dem Oberkiefer und dem Unterkiefer gibt und beide Zahnbögen deshalb vielleicht nicht zusammenpassen, muss möglicherweise jetzt schon ein Kieferorthopäde eingreifen“, führt Prof. Radlanski beispielhaft an. „Hasenzähne“ können ebenso Anlass für eine Therapie bereits im Kindergartenalter sein: die oberen Schneidezähne werden vor Verletzungen geschützt, der falsche Biss beseitigt und Hänseleien entgegengewirkt. Ein Kieferorthopäde beurteilt zudem die körperliche Entwicklung, Aussprache, Bisslage, Zahnpflege und Atmung – und kümmert sich gern um die individuellen Fragen der Eltern.

Die Phase des Wechselgebisses, also die Zeit zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr, markiert üblicherweise den Start der kieferorthopädischen Hauptbehandlung. Dann nämlich sind genügend bleibende Zähne vorhanden, um den Apparaturen ausreichend Halt zu bieten. Zudem befi ndet sich der Körper der Jugendlichen in einem Wachstumsschub, Kieferknochen und Weichgewebe des Mundes sind in Bewegung und lassen sich leichter in die gewünschte Richtung steuern. Eine Therapie nimmt üblicherweise einige Zeit in Anspruch, denn sie macht sich das natürliche Gewebewachstum zu Nutze – und die Natur hat es nun mal nicht eilig. Üblicherweise ist von einer aktiven Behandlungsdauer von rund 18 bis 24 Monaten auszugehen. Danach erfolgt eine Erhaltungsphase („Retention“), damit sich das erreichte Ergebnis stabilisiert (mehr zur Retention lesen Sie bitte auf Seite 15).

Kieferorthopädische Erfolge bei Erwachsenen

Eine Korrektur von Zahn- und Kieferfehlstellungen ist im Erwachsenenalter in aller Regel ebenfalls problemlos und erfolgreich möglich. „Die Kieferorthopädie ist in Diagnostik und Therapie sehr vielseitig und sie umfasst die Zeitspanne vom Säuglingsalter bis zum Hochbetagten“, so Prof. Radlanski. Zähne sitzen nämlich nicht starr im Kiefer, sondern können auf entsprechende geringe Krafteinwirkungen hin ihr ganzes Leben lang wandern. Grund dafür ist der biologische Prozess der Zellerneuerung, und der ist bis ins hohe Alter hinein aktiviert. „Das ist so gesehen eine glückliche Chance“, verdeutlicht Prof. Radlanski, „es reichen schon 20 Gramm, um einen Zahn zu bewegen.“

Warum nehmen zunehmend auch erwachsene Patienten kieferorthopädische Expertise in Anspruch? Oft stören schiefe oder vorstehende Zähne das äußere Erscheinungsbild, Betroffenen fällt das Sprechen schwer, ein selbstsicheres Auftreten bleibt ihnen verwehrt. Andere wiederum lassen Fehlstellungen korrigieren, um Zahnfleischschwund und Zahnverlust entgegen zu wirken, die Kaufunktion zu verbessern oder durch einen falschen Biss ausgelöste Beschwerden in anderen Regionen des Körpers zu lindern (zu diesem spannenden Thema lesen Sie später in unserem Titelbereich noch mehr). „Das menschliche Kauorgan unterliegt naturgemäß Umbauvorgängen. In vielen Fällen kommt es noch nach der Ausbildung des vollständigen Gebisses zu Zahnfehlstellungen, die langfristig einer kieferorthopädischen Therapie bedürfen, wenn die Zähne lebenslang erhalten werden soll“, resümiert Prof. Radlanski.

Übrigens: Kinder mit einer so genannten Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sind vom ersten Lebenstag an in Behandlung und erfahren so erhebliche Erleichterung. Zu dem interdisziplinären Spezialistenteam zählen neben Kieferorthopäden üblicherweise Kinderärzte, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Hals-Nasen-Ohrenärzte und Logopäden.

Im Überblick: Spangen und ihre Wirkung

Ganz schön spannend für Jugendliche, ihr erster Besuch beim Kieferorthopäden! Hier entscheidet sich nämlich oft schon, welche Art von Spange sie als erstes erhalten: festsitzend oder herausnehmbar? Welche Art von Apparatur genau? Wie lange ist sie zu tragen? Mitspracherecht haben die Patienten dabei jedoch nur bedingt – schließlich sind die verschiedenen Zahnspangen nicht alternativ zu verwenden, sondern jede von ihnen erfüllt ihre ganz spezifischen Aufgaben und kommt abhängig von der jeweiligen Diagnose zum Einsatz.

Festsitzend: Von uncool zu Kult
Vielleicht ahnen Sie es schon: Fest im Mund verankerte kieferorthopädische Geräte dienen dazu, umfangreiche oder komplizierte Fehlstellungen zu beheben. Die wohl bekannteste festsitzende Spange ist die so genannte Multiband-Apparatur: Bänder, Brackets und Drahtbögen sind ihre Hauptbestandteile. Wie eine solche Spange funktioniert? Die Brackets und Bänder werden mit speziellem Zement oder Kleber auf dem Zahnschmelz befestigt, durch sie hindurch kommen Regulierungsbögen – dann lassen sich die Zähne in die gewünschte Richtung schieben. Die Eingewöhnung dauert meist nur wenige Tage, danach ist die Behandlung in der Regel völlig schmerzfrei und komplikationslos.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Multiband-Apparaturen als lästig oder uncool galten. Heutzutage genießen diese Spangen bei Kindern und Jugendlichen teilweise sogar Kultstatus – und auch Erwachsene tragen selbstbewusst Brackets. Nach wie vor klassischer Standard sind solche aus Metall, denn sie sind robust und somit langlebig. Beinahe unsichtbar wiederum sind Brackets aus Keramik; sie fallen dem Gegenüber meist erst auf, wenn er nahe herantritt.

So klappt es mit der Mundhygiene bei Bracket-Trägern:

1. Spülen Sie zunächst kräftig mit Wasser aus, um grobe Speisereste zu lösen.
2. Dann putzen Sie am besten mit einer elektrischen Zahnbürste in kleinen kreisenden Bewegungen zwischen Brackets und Zahnfleisch.
3. Anschließend sind die Brackets selber sowie die umliegenden Bereiche an der Reihe. Achten Sie darauf, mit der Bürste auch unter den Bogen zu kommen.
4. Innen- und Kauflächen der Zähne sind als nächstes dran.
5. Eine Interdentalbürste entfernt letzte Reste zwischen den Bändern, Brackets und Bögen.
6. Zum Schluss noch mal gut ausspülen und im Spiegel kontrollieren, ob alles sauber ist.

Spezielle festsitzende Spange: Herbst-Scharnier

Gewiss stimmen Sie zu: Die Aussicht auf einen kieferchirurgischen Eingriff, also eine Operation am Kiefer, wirkt auf niemanden von uns so richtig attraktiv. Liegt der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit hinten und fallen dadurch Beißen und Sprechen schwer, bietet die Kieferorthopädie je nach exakter Diagnose in vielen Fällen eine schonende Alternative zur Operation: Das so genannte Herbst-Scharnier. 

Das hat nichts mit der Jahreszeit zu tun, sondern ist nach dem Zahnmediziner Emil Herbst benannt, der das Gerät vor rund 110 Jahren erfunden hat. Es sitzt fest im Mund, verbindet die unteren Eckzähnen über eine teleskopartige Verbindung mit den oberen Backenzähnen und schiebt den Unterkiefer im Lauf der Behandlung nach vorn.

Geeignet ist das Herbst-Scharnier sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. Aufgrund der stark wirkenden Kräfte dauert die Behandlung meist nur zwischen einem halben und einem Jahr; danach steht in der Regel noch eine Feinjustierung mit Hilfe von Brackets an. Sprechen, Essen und Sport sind mit dem Herbst-Scharnier ohne Weiteres möglich, die Eingewöhnungszeit beträgt im Normalfall rund eine Woche.

Verklebte und beschädigte Spangen das muss nicht sein

Der Klassiker: Kaugummi, Karamell oder Gummibärchen haben sich in der festsitzenden Spange verhakt. Sie sind nur schwer wieder loszuwerden und können die Apparatur beschädigen. Verzichten Sie während der Behandlung daher auf diese Süßigkeiten, ebenso wie auf Lakritz und Nüsse. Harte Lebensmittel wie Karotten und Äpfel schneiden Sie am besten in mundgerechte Stückchen und kauen sie ganz vorsichtig – so verbiegen die empfindlichen Drähte der Spange nicht.

Herausnehmbar: Komfortabel, aber Disziplin nötig

Sozusagen das Gegenteil festsitzender Apparaturen sind herausnehmbare Spangen. Sie kommen üblicherweise bei weniger stark ausgeprägten Fehlstellungen zur Anwendung und bestehen aus Kunststoff sowie Klammern und gegebenenfalls weiteren Elementen aus Edelstahl. Zum Essen und Zähneputzen lassen sie sich einfach aus dem Mund nehmen.

Herausnehmbare Spangen erfordern Disziplin und Mitarbeit seitens der Patienten – schließlich wirken sie nur, wenn sie regelmäßig im Mund sind. Also am besten immer gleich einsetzen, sobald man nach Hause kommt und nachts sowieso tragen. Bereits wenige Tage Spangenpause können monatelanges Tragen zunichte machen, die Zähne schieben sich schnell wieder in ihre alte Stellung.

Auffällige abnehmbare Spangen sind Außenspangen (Headgear) und Gesichtsmasken. Eine Außenspange schiebt die oberen Backenzähne nach hinten und schafft so Platz für vorstehende Schneidezähne. Eine Gesichtsmaske wiederum regt das Wachstum des Oberkiefers nach vorne an und kann einer späteren operativen Korrektur vorbeugen. In jedem Fall geht Ihr Kieferorthopäde auf Ihre individuelle Mundsituation ein, erklärt Ihnen die einzelnen Geräte, ihren Verwendungszweck sowie die Vorund Nachteile – und entscheidet sich gemeinsam mit Ihnen für die beste Lösung.

Pflege Ihrer herausnehmbaren Spange

Eine herausnehmbare Zahnspange putzen Sie am besten täglich mit einer alten Zahnbürste unter laufendem Wasser. Eine andere Möglichkeit der Reinigung sind spezielle Tabletten aus Drogeriemärkten. Zur Aufbewahrung empfiehlt sich eine luftdurchlässige Spangendose: In ihr kann die Spange trocknen, Schimmelpilze haben keine Chance.

Retainer: Behandlungsergebnis sichern

Endlich! Nach der kieferorthopädischen Behandlung stehen Zähne und Kiefer perfekt, das Gebiss ist optimal eingestellt und sieht harmonisch aus. Das soll natürlich dauerhaft so bleiben, dabei helfen die so genannten Retainer. Ihr Name leitet sich vom lateinischen Wort „retenere“ ab – das heißt so viel wie „festhalten“. Ein Retainer dient also der Sicherung des Behandlungsergebnisses und verhindert, dass sich Zähne und Kiefer erneut verschieben.

Informationsstelle Kieferorthopädie: Viele Fragen rund um die Kieferorthopädie beantwortet auch die Informationsstelle Kieferorthopädie im Internet. Unter www.infostelle-kfo.de finden sich viele Infos, Tipps, Antworten auf Fragen und Bilder rund um die kieferorthopädische Behandlung. Auch Videos zur richtigen Zahnpflege sind dort zu finden.

Schiefe Zähne und Kiefer- Beschwerden im ganzen Körper

Die Craniomandibuäre Dysfunktion (CMD)

Betrachten wir einen der bereits angesprochenen möglichen Gründe für die Sinnhaftigkeit einer kieferorthopädischen Therapie im Erwachsenenalter nun noch genauer: Zahn- und Kieferfehlstellungen sowie ihre möglichen Auswirkungen auf den gesamten Körper.

Vielleicht gehören Sie ja auch zu denjenigen Menschen oder kennen welche aus Ihrem Bekanntenkreis, die unter dauerhaften Schmerzen im Rücken oder Nacken leiden, Verspannungen in den Schultern spüren oder Migräneanfälle ertragen müssen. Häufig gesellen sich zu diesen Symptomen Haltungsschäden, Schiefstände des Beckens, Tinnitus oder Sehstörungen dazu. Als vermeintlich naheliegendste Lösung vereinbaren Betroffene meist einen Termin bei einem Physiotherapeuten, Orthopäden oder Ohrenbzw. Augenarzt. Mindestens ebenso sinnvoll kann es aber sein, sich an seinen Zahnarzt zu wenden. 

Nicht selten liegt die Ursache der Beschwerden in einer Fehlstellung oder Funktionsbeeinträchtigung der Zähne und Kiefer. Diese sind nämlich keine isolierten Bestandteile des Körpers, sondern eng mit Kopf, Gehirn, Wirbelsäule, Schultern und Organen verknüpft. In der medizinischen Fachsprache heißt dieses Krankheitsbild „Craniomandibuläre Dysfunktion“, abgekürzt CMD. „Cranio“ bezeichnet den Schädel, „Mandibula“ den Unterkiefer und „Dysfunktion“ bedeutet Fehlfunktion: Bereits kleinste Abweichungen im normalerweise perfekt aufeinander abgestimmten Kausystem können Beschwerden im gesamten Körper auslösen – was auch häufig der Fall ist: Rund vier Millionen Menschen in Deutschland haben laut des CMD-Dachverbands e.V. unter den Folgen von Fehlstellungen ihres Kiefers zu leiden, am häufi gsten im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Frauen stellen mit 80 Prozent die Hauptgruppe der Betroffenen.Ursachen für eine CMD können ganz verschieden sein: Einerseits nennen Experten fehlerhafte Zahnstellungen oder Veränderungen im Biss durch schlecht sitzende Inlays, Brücken oder schadhafte Zähne. Andererseits können aber auch Unfälle, Stürze, Operationen und Gelenkentzündungen zu einer Veränderung der Kiefergelenke führen – ebenso wie falsche Sitzhaltungen oder Schlafpositionen.

So ernsthaft eine CMD auch klingen mag, so einfach lässt sie sich häufi g beheben: Oftmals reichen laut des CMDDachverbandes e.V. eine Aufbissschiene, eine unkomplizierte kieferorthopädische oder zahnmedizinische Behandlung oder eine Physiotherapie aus, um die Ursachen der Beschwerden zu beseitigen. Sprechen Sie Ihren Zahnarzt oder Kieferorthopäden bei Verdacht auf eine CMD-Erkrankung vertrauensvoll an! 

Moderne Kieferorthopädie: Digital, sanft und (beinahe) unsichtbar

Wie eingangs erwähnt, hat sich die Kieferorthopädie in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt und modernisiert. Dazu zählen einerseits innovative Materialien sowie neue Therapiemöglichkeiten und Apparaturen, andererseits auch umfangreichere Serviceleistungen als Folge der Digitalisierung in Praxen. So bieten inzwischen viele Fachzahnärzte für Kieferorthopädie ihren Erstpatienten die Möglichkeit, den Anamnesebogen im Vorfeld ihres Besuchs bequem und in Ruhe zu Hause online auszufüllen. Ebenso sind häufig eine Online-Terminvergabe oder die Information über Behandlungsansätze in Bild und Video über die Praxiswebsite möglich. 

Einen weiteren wesentlichen Unterschied zu Ihrer eigenen kieferorthopädischen Behandlung können Sie erleben, wenn es bei Ihrem Kind um die Erfassung des Gebisses zur optimalen Anpassung der Zahnspange geht. Heute sind so genannte Intraoralscanner weit verbreitet: Mit einem stiftähnlichen Gerät scannt das Praxisteam in wenigen Sekunden Kiefer und Zähne und erfasst sie bis ins Detail digital – vollkommen berührungslos und ohne Abformmasse. In einem anschließenden Schritt können bereits zahlreiche Kieferorthopäden über eine Spezialsoftware am Bildschirm simulieren, wie das ganze persönliche Behandlungsergebnis aussehen wird.

Neuheiten gibt es auch bei den Materialien: Beispielsweise üben so genannte thermoelastische Bögen aus titanhaltigen Legierungen über einen längeren Zeitraum ganz geringe Kräfte über die Zahnspange aus. Der Druck auf die Zähne im Vergleich zu konventionellen Behandlungen sinkt, die Therapie wird als sanfter und angenehmer empfunden. bitte lächeln stellt Ihnen nun noch zwei weitere Ansätze moderner Kieferorthopädie vor – weitgehend unsichtbare Zahnspangen auf der Innenseite der Zähne sowie Schienen zur Behandlung von Zahnfehlstellungen, so genannte Aligner. 

"Unsichtbare Zahnspangen": Ligualtechnik

Sie als Erwachsener möchten oder müssen sich einer kieferorthopädischen Behandlung mit einer festsitzenden Apparatur unterziehen – diese soll aber in Ihrem beruflichen Alltag kaum auffallen? „Kein Problem für die moderne Kieferorthopädie: Sie befestigt Brackets und Bögen auf der Innenseite der Zähne (Lingualtechnik) statt auf den Außenflächen (Labialtechnik)“, erklärt Dr. Claudia Obijou-Kohlhas, 2. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Linguale Orthodontie (DGLO).

Der wesentliche Unterschied laut Dr. Obijou-Kohlhas: „Lingualbrackets stellt ein Speziallabor mit Hilfe digitaler Verfahren und 3D-Drucker individuell für jeden Zahn her – Außenbrackets hingegen sind sozusagen Massenware.“ Die hochpräzisen Drähte für eine Lingualbehandlung werden laut Dr. Obijou-Kohlhas von einem Roboter gebogen, insgesamt liege der zeitliche Aufwand zur Anfertigung und zum Einsetzen einer lingualen Apparatur höher als bei einer herkömmliche Behandlung auf der Außenseite der Zähne.

„Da die festsitzende linguale Spange an der Zungenseite befestigt ist, dauert die Eingewöhnung meist ein wenig länger als bei einer gewöhnlichen Multiband-Apparatur“, so Dr. Obijou-Kohlhas. „Grund dafür ist, dass die Zunge beim Sprechen an die Spange stößt und sich zunächst eingeengt fühlt. Mit ein wenig Training lassen sich die Zunge und deren Muskulatur aber umgewöhnen.“ 

Nach der lingualen Behandlung schließt sich ebenfalls eine Retentionsphase an – beispielsweise mit einer herausnehmbaren Spange oder mit einem festsitzenden Draht auf der Innenseite der Zähne.

So finden Sie Experten für Lingualtechnik:
Welcher Fachzahnarzt für Kieferorthopäde in Ihrer Nähe eine Lingualbehandlung anbietet, können Sie auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Linguale Orthodontie (DGLO) abrufen: www.dglo.de

Aligner: Sequenz individueller Kunststoffschienen

Ebenfalls eine beinahe unsichtbare Korrekturmöglichkeit von Zahnfehlstellungen ist die Aligner-Therapie. Werfen wir zum besseren Verständnis dieses Fachausdrucks wieder kurz einen Blick in die englische Sprache: „to align“ bedeutet „ausrichten“. Dr. Obijou-Kohlhas verdeutlicht: „Zur korrekten Ausrichtung der Zähne kommen mehrere individuell gefertigte, dünne, durchsichtige und herausnehmbare Kunststoffschienen zum Einsatz.“ Wie eine Aligner-Behandlung im Detail aussieht?

Zunächst ist wieder der Intraoralscanner gefragt: „Nach der digitalen Erfassung des Ist-Zustands der Zahnreihen stellt ein Computerprogramm das vorher bestimmte Behandlungsziel dreidimensional dar und unterteilt die Therapie in verschiedene Phasen“, erklärt Dr. Obijou-Kohlhas. „Anschließend fertigt ein Speziallabor für jede dieser Phasen eine individuelle Schiene, die üblicherweise zwei Wochen lang zu tragen ist.“

Die Kunststoffschienen passen exakt auf die Zähne, sind sogar in der Phase des Zahnwechsels anwendbar und wirken wie eine Spange: Sie bewegen die Zähne durch Druckausübung kontinuierlich in die gewünschte Richtung. Es folgt die nächste Schiene, analog zur Neujustierung einer Spange in bestimmten zeitlichen Abständen, bis das gewünschte Behandlungsziel erreicht ist. „Die Dauer der Behandlung liegt in der Regel zwischen einem halben Jahr und eineinhalb Jahren, je nach Grad der Fehlstellung. Danach sichert ein Retainer das Ergebnis“, sagt Dr. Obijou-Kohlhas. Ihr Tipp: „Fachzahnärzte, die mit Alignern behandeln, sind auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Aligner Orthodontie e.V. (DGOA), www.dgoa.com, aufgelistet.“ 

Aligner: Jetzt auch als Do-it-yourself-Paket?
Vorsicht ist geboten, wenn es um vermeintlich günstige Aligner-Angebote geht, die „ohne Zahnarztbesuch“ auskommen. In jüngster Zeit haben sich einige Start-ups gegründet, die mit einer kostengünstigen Aligner-Behandlung ein atemberaubendes Lächeln versprechen – und dabei gutes Geld verdienen. Was dabei völlig auf der Strecke bleibt, ist der medizinische Aspekt: Oftmals werden die „Behandlungen“ ganz ohne zahnärztliche Begleitung durchgeführt, der Abdruck einfach selbst genommen und eingeschickt. Auch ein einmaliger Besuch beim „Partnerzahnarzt“ ist keine Lösung. Eine kieferorthopädische Behandlung erfordert ein umfangreiches Wissen um Wachstum und medizinische Zusammenhänge. Vertrauen Sie deshalb Ihrem Zahnarzt oder Kieferorthopäden, der auf dieses umfangreiche Wissen zurückgreifen kann!

Zudem haben bitte lächeln freundlicherweise mit ihrer Expertise unterstützt: