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Mit Biss gesund älter werden: Mundgesundheit bei Senioren

Deutschland im Jahr 2030: Ein Drittel der Bevölkerung ist über 60 Jahre alt. Die Zahl der Menschen über 80 Jahren hat sich im Vergleich zu heute um Millionen erhöht. Auswirkungen auf alle Bereiche unserer Gesellschaft sind die Folge, auch und gerade auf die Medizin und die Zahnmedizin: Alterszahnheilkunde und Mundhygiene bei pflegebedürftigen Menschen gewinnen an Bedeutung. Schöne und gesunde Zähne, ein intaktes Zahnfleisch und zueinander passende Kiefer sind nämlich nicht nur Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorbehalten.

Zahngesundheit ist keine Frage des Alters: Heutzutage kann die Zahnmedizin für Senioren ein wichtiges Stück Lebensqualität erhalten bzw. wiederherstellen, dafür sorgen moderne Behandlungskonzepte und -materialien. Dabei lautet der Hauptanspruch sowohl von Patienten als auch Zahnmedizinern: Eigene Zähne möglichst lange bewahren und herausnehmbaren Zahnersatz vermeiden.

Senioren über 60 Jahre erfreuen sich sowohl heute als auch prognostiziert im Jahr 2030 einer recht guten Mundgesundheit, leiden aber durchaus unter Einschränkungen und Erkrankungen im Mund, die ein höheres Alter mit sich bringt. Zudem können sie in die Pflegebedürftigkeit abgleiten – dann hat die Zahnpflege besonders im Fokus zu stehen.

bitte lächeln zeigt Ihnen, wie die aktuelle Situation zur Mundgesundheit bei den über 60-Jährigen aussieht, mit welchen Zahn- und Mundproblemen im Alter zu rechnen ist und wie Behandlungs- und Vorsorgekonzepte aussehen können. Zahlreiche der nachfolgenden Tipps und Tricks sind für jedes Alter geeignet – die Lektüre somit auch dann interessant, wenn der 60. Geburtstag noch in Ferne liegt. Bevor es gleich ins Detail geht, lesen Sie zunächst kompakte Antworten auf drei wichtige Fragen zum Thema Alterszahnmedizin.

1. Was bedeutet Alterszahnmedizin?

Zu den Aufgaben der Alterszahnmedizin zählen Vorsorge und Therapie der im Alter vermehrt auftretenden zahnmedizinischen Erkrankungen wie Wurzelkaries, Parodontitis, Entzündungen der Zahnnerven sowie Schleimhautveränderungen. Ebenso wichtig wie der Erhalt der eigenen Zähne sowie die Sicherstellung einer guten Mundhygiene bei Pflegebedürftigen ist bei Bedarf die Anfertigung von stabilem, leicht zu pflegendem und individuell passendem Zahnersatz.

2. Welche typischen Mundprobleme treten im Alter auf?

Mit zunehmendem Alter bildet sich häufig das Zahnfleisch zurück oder entzündet sich, die Zahnhälse zeigen sich anfälliger für Karies. Zudem leiden ältere Menschen oft unter einem trockenen Mund, weil sie zu wenig trinken oder aufgrund bestimmter Medikamente nicht mehr genug Speichel produzieren. Ein trockener Mund ist nicht nur unangenehm, sondern führt auch zu Problemen beim Kauen und Schlucken sowie zu einer verminderten Remineralisation der Zähne und einem herabgesetzten Kariesschutz. Zudem kann eine trockene Zunge die Abwehrkräfte schwächen, Mundgeruch verursachen und den Geschmackssinn irritieren. Lockere oderfehlende Zähne wiederum können die Nahrungsaufnahme und das Sprechen behindern.

Übrigens: Dass sich die Farbe der Zähne im Lauf des Lebens verändert, ist vollkommen normal: Über die Jahre nutzt sich der Zahnschmelz ab, er wird dünner. Dadurch ist das darunter liegende Dentin (Zahnbein) deutlicher sichtbar, die Zähne können gelblich bzw. dunkel erscheinen.

3. Warum ist die Mundpflege so wichtig?

Eine gute Mundhygiene trägt maßgeblich zur Gesundheit von Zähnen, Zahnfleisch und Mundschleimhaut bei – aber auch zum allgemeinen Wohlbefinden und zur Gesundheit des ganzen Körpers. Eine intakte Mundhöhle ist Voraussetzung für problemloses und schmerzfreies Essen und Trinken sowie für eine verständliche Aussprache – und nicht zuletzt für kosmetische Aspekte von Bedeutung.

Bakterielle Infektionen im Mund können bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes) begünstigen, zudem können Bakterien aus dem Mund in den Kreislauf gelangen und dort Lungenentzündungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern – daher sind solche Bakterien regelmäßig und nachhaltig zu bekämpfen.

Nach diesem ersten Überblick sind Sie jetzt bestens gerüstet für weitere Details – werfen Sie doch zunächst einmal einen Blick auf die aktuelle Mundgesundheitssituation von Menschen über 60 Jahren.

Die aktuelle Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) belegt mit ihrer repräsentativen Erhebung eindrucksvoll: Heute ist nur noch jeder achte jüngere Senior (65- bis 74-Jährige) zahnlos, im Jahr 1997 war es jeder vierte. Und: Diese jüngeren Senioren besitzen im Durchschnitt fünf eigene Zähne mehr als noch im Jahr 1997. Die Gründe für diese Entwicklung sowie den künftigen Weg der Zahnmedizin bezeichnet Prof. Dr. Christoph Benz von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität München (LMU) als „Wandel der Zahnmedizin weg von der rein kurativen hin zur überwiegend präventiven Betreuung unserer Patienten“.

Prophylaxe durch ausgewogene Ernährung Vitamin- und kalziumreich, so sieht eine zahngesunde Ernährung aus. Zu empfehlen sind Vollkornbrot, bissfestes Gemüse, Naturreis, mageres Fleisch, Fisch sowie Milchprodukte. Meiden Sie hingegen Zucker, der sich oft auch beispielsweise in Fertiggerichten, Konserven und salzhaltigen Knabbereien versteckt. Gründliches Kauen stärkt Zähne und Zahnfleisch, die Verdauung fällt dann ebenfalls leichter. Trinken Sie mindestens zwei Liter täglich, am besten ungesüßte Früchte- und Kräutertees, Saftschorlen oder Mineralwasser.

Dennoch weist fast jeder Zweite in dieser Altersgruppe eine moderate und jeder Fünfte eine schwere parodontale Erkrankung auf. Bei den älteren Senioren – also den 75- bis 100-Jährigen – verstärkt sich dieser Trend: Hier leiden neun von zehn Menschen an einer moderaten bzw. schweren Parodontitis.

Und noch einen interessanten Aspekt fördert die Mundgesundheitsstudie zu Tage: Mit Eintritt in die Pflegebedürftigkeit steigt die Anzahl der neu erkrankten kariösen Zähne stark an.

Lesen Sie im Nachfolgenden weiterführende Informationen zu den drei eben angesprochenen Aspekten Prophylaxe, Parodontitis und Mundhygiene bei Pflegebedürftigkeit – wie Sie es von bitte lächeln gewohnt sind in verständlicher Sprache und fachlich fundiert.

Die präventive Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde genießt (nicht nur) in der Alterszahnmedizin hohe Bedeutung: Zahnärzte sind bestrebt, die natürlichen Zähne so lange wie möglich zu erhalten. Hierzu sollte jedes halbe Jahr ein Besuch in der Zahnarztpraxis stattfinden: Auf diese Weise lassen sich Erkrankungen der Zähne, der Zunge oder der Mundschleimhaut frühzeitig erkennen und behandeln.

„Unsere präventiven Erfolge haben dazu geführt, dass es den typischen Senior für die Zahnmedizin heute nicht mehr gibt. Ein ganz wichtiger Punkt bleibt jedoch, zu erkennen, wie weit die Adaptations- und Unterstützungsfähigkeit eines älteren Menschen noch reichen“, resümiert Prof. Benz.

Zahnärztliche Prävention setzt voraus, dass die Seniorenkörperlich und geistig dazu in der Lage sind, ihre Zähne selber zu pflegen. Erfahrungen zeigen: Für regelmäßige Mundhygiene sowie ergänzende Prophylaxebehandlungen in der Zahnarztpraxis lassen sich ältere Menschen über die Argumente „Erhalt der Kau- und Sprechfunktion“ sowie „Ästhetik“ in der Regel gut gewinnen. Regelrecht dafür zu begeistern sind viele von ihnen über eine Verdeutlichung des Zusammenhangs zwischen einem gesunden Mund und der Allgemeingesundheit: Eine intakte Mundhöhle reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen erheblich, denn als Haupteintrittspforte kann sie gefährliche Keime abwehren.

Jedoch bleiben selbst bei regelmäßigem und gründlichem Zähneputzen an den schwer zugänglichen Stellen Beläge zurück. Diese können Entzündungen am Zahnfleisch, Zahnfleischbluten, schlechten Geschmack, Mundgeruch oder Karies verursachen. Eine so genannte Professionelle Zahnreinigung umfasst das Entfernen dieser Zahnbeläge sowie die gründliche Reinigung und Politur der Zähne mit speziellen Hilfsmitteln. Außerdem liefern Zahnarzt und Praxisteam individuelle Hinweise zur Mundhygiene. So können die Zähne, die im Lauf des Lebens wahrlich schon viel geleistet haben, gesund und festbleiben – oft für viele weitere Jahre.

Weiterer wichtiger Baustein der vorsorgenden Alterszahnmedizin ist das Retten von Zähnen durch Wurzelkanalbehandlungen: Oftmals sind Zahnnerven zwar noch vital, aber dauerhaft entzündet – oder aber bereits abgestorben. Bei einer Wurzelkanalbehandlung entfernt der Zahnarzt das Gewebe aus dem Wurzelkanal, erweitert diesen und feilt infiziertes Wurzeldentin heraus; anschließend füllt er den Wurzelkanal. Auf diese Weise kann der Zahn erhalten werden und ist nicht zu ziehen.

Experten sind sich einig: Der Abbau des Zahnhalteapparates (im Fachjargon „parodontaler Attachmentverlust“ genannt) ist keine unmittelbare Folge des Alterns. Vielmehr machen sich negative Einflüsse, die ein Leben lang den Zahnhalteapparat belasten, im fortgeschrittenen Alter bemerkbar.

„Viele Zusammenhänge zwischen Erkrankungen des Zahnbetts und anderen Krankheiten sind heute wissenschaftlich etabliert“, erklärt Prof. Benz. „Eindeutig ist der Zusammenhang bei Endokarditis [Entzündung der Herzinnenhaut, Anm. d. Red.] und wiederkehrenden Lungenentzündungen, sehr sicher bei kardiovaskulären Erkrankungen [Herz- und Gefäßerkrankungen, Anm. d. Red.], chronischen Nierenerkrankungen und Diabetes und wahrscheinlich u. a. bei Demenz und rheumatischer Arthritis.“

Die Ergebnisse der Deutschen Mundgesundheitsstudie zeigen, dass sich die zuvor erwähnten präventiven Maßnahmen positiv auf parodontale Erkrankungen auswirken können: Demnach sind Menschen, die regelmäßig derartige Angebote in ihrer Zahnarztpraxis in Anspruch nehmen, seltener von Parodontitis betroffen. Zugleich sind bei diesen Patienten die Parodontalerkrankungen weniger schwerwiegend. Prophylaxe ist also das A und O gegen Parodontitis.

Trotz guter Zahnpflege, Prophylaxe und Professioneller Zahnreinigungen können sich im Lauf des Lebens Zahnfleischtaschen vergrößern und Kieferknochen abbauen, die Zähne werden locker. Heutzutage bedeutet das glücklicherweise nicht immer gleich Zahnverlust. Vielmehr ist in den meisten Fällen ein Wiederaufbau des Knochens möglich, um die eigenen Zähne für weitere Jahre zu stabilisieren.

Sind doch einmal Zähne zu ersetzen, stehen meistens mehrere Alternativen zur Wahl – Ihre Praxis nimmt sich gern Zeit, berät ausführlich und findet gemeinsam mit Ihnen die passende Lösung. So bieten sich beim Ersatz einzelner Zähne häufig Implantate an, die mit Funktionalität, Stabilität, langer Haltbarkeit und Ästhetik punkten. Vollprothesen wiederum können angeraten sein, wenn in einem oder beiden Kiefern die Zähne (nahezu) vollständig fehlen. Das Ergebnis: Fester Halt, hoher Tragekomfort und umfassende Funktionalität – Abbeißen, Kauen und Sprechen ist mit modernen Vollprothesen meist problemlos möglich, zudem sehen sie sehr natürlich aus.

So erkennen Sie eine auf Senioren spezialisierte Zahnarztpraxis

  • Die Zahnärzte haben sich zum Thema Alterszahnmedizin fortgebildet. So können sie Therapiefähigkeit, Mundhygienefertigkeiten und Eigenverantwortlichkeit der Patienten richtig einschätzen. Zudem besitzen sie Kenntnisse in Ernährungs- und Pflegewissenschaften sowie der oralen Gerontologie. „Die fachliche Vertrautheit der Kollegenschaft mit der Alterszahnmedizin ist inzwischen weit verbreitet“, bestätigt Prof. Benz. „Weitere ,Kleinigkeiten’, die übrigens nicht nur Senioren gefallen, wird man in Praxen sofort erkennen.“
  • Ebenfalls geschult im Umgang mit älteren Patienten ist das Praxisteam: Senioren vertragen in der Regel weniger Ablenkung – auf ein Aufräumen der Instrumente während des Gesprächs oder auf das Abspielen von Hintergrundmusik verzichtet das Team.
  • Klar strukturiert und verständlich ist die Kommunikation. Gern wiederholen Arzt und Praxisteam wesentliche Informationen – oder lassen sie die Patienten zusammenfassen; so können sie nachvollziehen, ob diese alles richtig verstanden haben.
  • Bei der Vergabe der Behandlungstermine ist Kontinuität möglich, also Termine am immer gleichen Tag zur immer gleichen Uhrzeit.
  • Der Behandlungsstuhl ist ab dem Hauseingang barrierefrei erreichbar – auch für Senioren mit Rollator und für Rollstuhlfahrer. Die Praxisräume sind gut erkennbar beschildert, hell beleuchtet und mit altersgerechten Sitzgelegenheiten versehen. Wichtige Formulare liegen auch in größerer Schrift bereit.

Aktuelle Untersuchungen zeigen: 87 Prozent der über 70-Jährigen schätzen ihre Zahnsituation als „in Ordnung“ ein – dies geht jedoch deutlich an der Realität vorbei. So weiß Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV): „Die Mundgesundheit dieser Altersgruppe ist im Bevölkerungsdurchschnitt signifikant schlechter. Daher benötigen Ältere und Pflegebedürftige besondere zahnärztliche Zuwendung.“ Eßer erklärt, dass sich die Zahnärzte hierfür seit Jahren engagieren, etwa durch die so genannte aufsuchende Versorgung mit bedarfsgerechten Schwerpunkten bei Prävention und Therapie: „Wer die Zahnarztpraxis nicht mehr erreicht, den behandeln wir – soweit möglich – im Heim oder Zuhause.“

Kontrolluntersuchungen, Professionelle Zahnreinigungen und kleinere Behandlungen lassen sich gut in der eigenen Wohnung oder im Senioren- bzw. Pflegeheim durchführen – mobile Geräte und bequem zu transportierende Instrumente machen’s möglich. Von den circa 13.600 Pflegeheimen in Deutschland haben gegenwärtig rund 3.700 einen Kooperationsvertrag zur systematischen Betreuung mit Zahnärzten geschlossen – Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr lag die Zahl von Haus- und Heimbesuchen bei rund 929.000 (+3,5 % im Vergleich zu 2016). Fast neun von zehn Besuchen entfielen auf Pflegebedürftige sowie auf Menschen mit Behinderung. Mittelfristiges Ziel der Zahnärzte ist die lückenlose Abdeckung aller Senioren- und Pflegeeinrichtungen.

„Kooperationsverträge schaffen eine positive Bindung und ein Vertrauensverhältnis zwischen den Bewohnern und den Mitarbeitern in einer Pflegeeinrichtung sowie uns Zahnärztinnen und Zahnärzten“, hebt Prof. Benz hervor. „Deutschland belegt dabei einen Spitzenplatz in der Welt in der Alters- und Pflegezahnmedizin.“

Natürlich stoßen mobile Zahnärzte auch an gewisse Grenzen: Röntgenaufnahmen, aufwändige Füllungen oder Behandlungen des Wurzelkanals sind außerhalb der Praxis nicht bzw. nicht in gewohnt hoher Qualität durchführbar. Zudem sind Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen häufig gebrechlich, krank oder dement – ihre Motivation und Mitarbeit auf entsprechend niedrigem Niveau. Und noch ein Problem haben Experten identifiziert: „Leider wird auch in der Ausbildung der Pflegekräfte die Mundhygiene für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf nicht ausreichend vermittelt und somit auch im Pflegealltag zeitlich nicht ausreichend abgebildet. Die stärkere Berücksichtigung von Mundhygieneverhalten in der Pflegeaus- und fortbildung ist von zentraler Bedeutung für die Verbesserung der Mundgesundheit und die Lebensqualität der betroffenen Patienten“, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Wann ist Unterstützung bei der Mundpflege nötig?

Menschen benötigen Hilfe bei der Mundpflege, wenn sie beispielsweise das Waschbecken nicht ohne Hilfe erreichen, die Zahnbürste nicht selbst führen können, Zähne und Hilfsmittel zur Mundhygiene nicht gut erkennen oder die Mundpflege bzw. deren Abläufe vergessen. Dann sind die einzelnen Schritte der Mundhygiene teilweise oder vollständig von einem Familienangehörigen oder von Pflegepersonal zu übernehmen. Dabei sollten stets die Bedürfnisse, Gewohnheiten und Fertigkeiten des Hilfsbedürftigen im Mittelpunkt stehen.

Ein wichtiger Bereich der Zahnmedizin ist die Kieferorthopädie – und zwar auch und gerade für Senioren. Zwar hält sich hartnäckig das Missverständnis, kieferorthopädische Behandlungen seien ausschließlich während der Wachstumsphase möglich, also lediglich bei Kindern und Jugendlichen. Doch solange die Zähne gesund und genügend Knochenstruktur vorhanden sind, gibt es keine Altersgrenze. „Die Kieferorthopädie ist in Diagnostik und Therapie sehr vielfältig und sie umfasst die Zeitspanne vom Säuglingsalter bis zum Hochbetagten, der noch alle oder zumindest letzte Zähne trägt“, verdeutlicht Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski, Direktor der Abteilung für Orale Struktur- und Entwicklungsbiologie am Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité Berlin.

Kieferorthopädische Behandlungen können auch bei älteren Erwachsenen beachtliche Erfolge erzielen: Manche leiden unter Kauproblemen oder Schmerzen aufgrund eines gestörten Zusammenspiels von Ober- und Unterkiefer – dies lässt sich kieferorthopädisch einstellen. Andere weisen Munderkrankungen auf, geradestehende Zähne erleichtern hier Behandlung und Ausheilung. Wieder andere benötigen Zahnersatz, für den jedoch nicht der erforderliche Platz vorhanden ist – diesen schaffen dann Kieferorthopäden für den behandelnden Zahnarzt oder Implantologen (Präprothetik). Viele Kau- und Haltungsbeschwerden, die so genannte Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), haben ihre Ursachen mitunter ebenfalls in einer falschen Zahnstellung und lassen sich mit einer kieferorthopädischen Behandlung wirksam beheben – für deutlich mehr Lebensqualität.

Kleine Utensilien mit großer Wirkung: Spezielle Hilfsmittelunterstützen die Mundhygiene und fördern die Selbstständigkeit von Senioren – erhältlich sind sie in Drogerien und Sanitätshäusern.

  • Zahnbürstengriffe: Ein dickerer Griff erleichtert das Halten der Zahnbürste und das Erreichen schwierig zugänglicher Stellen im Mund. Oft genügen hierzu auf den Griff gesteckter Schaumgummi oder ein kleiner Gummiball. In Sanitätshäusern gibt es spezielles Zubehör, um den Zahnbürstengriff zu verstärken oder zu verlängern.
  • Spezialbürsten: Zahnbürsten mit zwei oder drei Bürsten reinigen die Zähne gleichzeitig auf den Kauflächen sowie auf den Innen- und Außenseiten. Achten Sie auf weiche Borsten, denn diese beugen Verletzungen vor. Elektrische Zahnbürsten können sich als nützlich erweisen, wenn Motorik und Kraft der Senioren nachlassen. Um zwischen die Zähne zu gelangen, eignen sich Zahnzwischenraum- bzw. Interdentalbürsten. Zahnprothesen wiederum sind am besten mit speziellen Prothesenbürsten sowie mit Flüssigseife oder Spülmittel zu säubern.
  • Zahnseide: Mit Zahnseide lassen sich die Räume zwischen den Zähnen zuverlässig reinigen. Bereits gebrauchsfertig gespannte Zahnseide (Sticks) ist leichter zu handhaben als lose Zahnseide.

Bitte wenden Sie sich an einen Zahnarzt, wenn Sie bei sich oder Ihren pflegebedürftigen Angehörigen einen oder mehrere dieser Aspekte feststellen:

  • Probleme beim Schlucken oder Kauen
  • Blutendes oder geschwollenes Zahnfleisch
  • Belegte Schleimhäute und Veränderungen der Zunge (gelbliche Beläge oder Krusten)
  • Lange oder häufig eingerissene Mundwinkel
  • Verfärbte oder schmerzempfindliche Zähne
  • Starker Mundgeruch
  • Geschmacksverlust ■

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