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Zahnfüllungen im Überblick

Soll die Zahnfüllung preisgünstig und langlebig sein, ist Amalgam oft die erste Wahl. Das Material eignet sich bei ausgedehnten Kariesdefekten, allerdings kommt Amalgam aus ästhetischen Gründen – die Füllung ist metall- bis silberfarben – nur für die Reparatur der Seitenzähne in Frage.

Amalgam ist eine Mischung verschiedener Metalle, nämlich Silber, Kupfer, Zinn und Quecksilber. In Deutschland führt das in Amalgam enthaltene Quecksilber immer wieder zu Diskussionen über die gesundheitliche Unbedenklichkeit, in der Regel vertragen Patienten das Material jedoch. Aus vorsorglichem Gesundheitsschutz findet Amalgam bei Kindern, Schwangeren sowie Patienten mit bestimmten Erkrankungen wie beispielsweise Nierenleiden keine Anwendung. Dr. Meike Knott, Zahnärztin aus Ingolstadt, resümiert: „Amalgam ist meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß. Ich persönlich biete daher in meiner Praxis statt Amalgam eine Zementfüllung, die zahnfarben ist und kein Quecksilber enthält, als Kassenfüllung an.“

Eine Alternative zu Amalgamfüllungen im Seitenzahnbereich sowie eine geeignete Füllung bei den sichtbaren Frontzähnen ist Komposit: Das zahnfarbene und langlebige Material besteht zu rund 20 Prozent aus Kunststoff und zu etwa 80 Prozent aus einem Salz der Kieselsäure bzw. aus feinsten Glasteilchen – damit zählt Komposit zwar zu den Kunststofffüllungen, ähnelt aber der Keramik. Dr. Knott: „Komposite Füllungen sind sowohl ästhetisch als auch lange haltbar – und daher heutzutage das Mittel der Wahl.“ Bei der Anfertigung einer Kompositfüllung sind zwei Verfahren zu unterscheiden, die einfache und die geschichtete Kompositfüllung: Bei kleinen Kariesschäden raut der Zahnarzt den Zahnschmelz lediglich an und behandelt ihn mit einem Kleber. Anschließend füllt er im so genannten Einschichtverfahren – also in einem Arbeitsschritt – das weiche Komposit in den Zahn und härtet es mit einem Speziallicht. Diese Füllung heißt „einfache Kompositfüllung“.

Aufwändiger ist die geschichtete Kompositfüllung. Sie lässt sich zwar ebenfalls in nur einer Behandlungssitzung erstellen, unterscheidet sich aber von der einfachen Kompositfüllung in einem wichtigen Detail: Der Zahnarzt trägt das Komposit in mehreren einzelnen Schichten auf, die nacheinander aushärten. So minimiert sich das Risiko einer Entstehung von kleinen Spalten zwischen Zahn und Füllung; die Spalten können durch die Materialschrumpfung beim Aushärten entstehen, wie Dr. Knott bestätigt. Die Zahnärztin hebt einen weiteren Vorteil hervor: „Die Schichttechnik hält selbst hohen Druck- und Zugkräften dauerhaft stand, Patienten können von einer langen Haltbarkeit ausgehen.“

Glasionomerzement ist ein mineralischer Zement und speziell für die zahnärztliche Anwendung entwickelt. Nach seiner Aushärtung ist die Oberfläche matt und hell. Zahnärzte verwenden Glasionomerzement bei erwachsenen Patienten beispielsweise zur Versorgung geringer Kariesdefekte am Zahnhals, 
bei Kindern kommt er ebenfalls zum Einsatz. Sabine Bertzbach, Kinderzahnärztin aus Bremen, und ihre Kollegin Dr. Ortrun Striebel, Kinder- und Jugendzahnärztin aus Hanau, erklären: „Glasionomerzement eignet sich als provisorisches Füllungsmaterial sowie für kleine Füllungen, wenn die Milchzähne nicht mehr so lange durchhalten müssen. Außerdem findet er Verwendung bei bleibenden Backenzähnen, die sehr langsam durchbrechen und schon Probleme wie beginnende Karies oder eine Schmelzreifungsstörung zeigen.“

Eine Kombination aus Glasionomerzement und Komposit ist das so genannte Kompomer. Kompomere haben ein vergleichbares Einsatzgebiet wie der Glasionomerzement, weisen aber einen entscheidenden Pluspunkt auf, wie Kinderzahnärztin Bertzbach (auch Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde) sagt: „Bei kleinen Patienten finde ich Kompomer sinnvoller als Glasionomer, weil er kaustabiler und bakteriendicht ist. Zudem hält Kompomer mögliches Zähneknirschen der Kinder besser aus: Bei korrekter Verarbeitung halten Kompomerfüllungen meist bis zum Zahnwechsel.“

Einige Füllungen sind mit Fluorid angereichert, welches sich langsam freisetzt und dem Schutz vor Karies an den Füllungsrändern dienen soll. Bertzbach: „Bei guter Zahnzwischenraumpflege und Zufuhr von Fluorid – täglich über Zahnpasta und zwei bis vier Mal im Jahr über Duraphat – sind fluoridhaltige Füllungen aber nicht unbedingt notwendig.“ Dr. Striebel ergänzt: „Die Fluoridabgabe ist nur sehr gering und auch nicht unbegrenzt.

Was darf es kosten?

Klar, bei Ihrer Entscheidungsfindung dürfte auch der Aspekt der Kostenübernahme durch die Krankenkasse eine Rolle spielen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in der Regel

■ im sichtbaren Frontzahnbereich die Kosten für zahnfarbene Kompositfüllungen in der Einschichttechnik; zu den Frontzähnen gehören die Schneide- und Eckzähne des Ober- und Unterkiefers.

■  im Seitenzahnbereich die Kosten für eine Amalgamfüllung.

■ bei Patienten, die aus medizinischen Gründen keine Amalgamversorgung erhalten können, die Kosten für eine geschichtete Kompositfüllung in Seitenzähnen.

Gar nicht so einfach also, die Beantwortung der Materialfrage. Beraten Sie sich mit Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin – gemeinsam finden Sie sicher die beste Lösung.