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Zähne in der Klammer - Arten & Wirkung von Zahnspangen

Wann welche kieferorthopädische Apparatur zum Einsatz kommt – und mit welchem Nutzen

Fehlstellungen der Zähne und Kiefer bereiten natürlich besonders beim Beißen, Kauen und Sprechen Probleme. Sie können aber auch für Erkrankungen und Beschwerden im gesamten Körper verantwortlich sein, beispielsweise Kopf- und sogar Rückenschmerzen auslösen. Zudem sind „schiefe Zähne“ nicht nur unschön, sondern auch schwer sauber zu halten.
 
Knapp zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland erhalten daher eine Zahnspange. Bei Erwachsenen nimmt die Korrektur von Zahnfehlstellungen ebenfalls zu. Welche verschiedenen kieferorthopädischen Geräte dabei zum Einsatz kommen? bitte lächeln liefert Ihnen auf den folgenden Seiten einen Überblick!
Schneekette – so nennen Heranwachsende laut „Wörterbuch der Jugendsprache“ ihre festsitzende Zahnspange mitunter. Brackets gehören zum Erscheinungsbild junger Erwachsener ganz selbstverständlich dazu. Das Spektrum kieferorthopädischer Apparaturen ist aber wesentlich breiter: Von herausnehmbaren über beinahe unsichtbare Zahnspangen auf der Innenseite der Zähne bis hin zu aufwändigeren Apparaturen wie Headgear und Herbst-Scharnier. „Ziel ist es, die Zähne physiologisch korrekt anzuordnen und die Situation lebenslang so zu halten“, erklärt Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski von der Charité Berlin in seinem Fachbeitrag „Über die Notwendigkeit kieferorthopädischer Behandlungsmaßnahmen“ (in: umwelt.·medizin.·gesellschaft.; 3/2015; S. 181 – 185).
 
Bevor Ihnen bitte lächeln auf den folgenden Seiten die unterschiedlichen Arten & Wirkungsweisen vorstellt, erfahren Sie einführend spannende Details zur Kieferorthopädie generell.
 
Ausnutzen der natürlichen Zellerneuerung
„Das menschliche Kauorgan unterliegt naturgemäß Umbauvorgängen. In vielen Fällen kommt es während der Gebissentwicklung und auch noch nach Ausbildung des vollständigen Gebisses zu Zahnfehlstellungen, die langfristig einer kieferorthopädischen Therapie bedürfen, wenn die Zähne lebenslang erhalten werden sollen“, so Prof. Radlanski. Der klassische Zeitraum in der Behandlung schief stehender Zähne von Kindern und Jugendlichen ist die Phase des Wechselgebisses: in der Regel beginnen die kieferorthopädischen Therapien zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr. Warum ist das so?
 
Damit die kieferorthopädischen Geräte zuverlässig arbeiten und die gewünschten Zahnbewegungen steuern können, brauchen sie festen Halt. In der Zeit des Wechselgebisses – also wenn die Milchzähne gehen und die bleibenden Zähne nachrücken – sind meist genügend Zähne vorhanden, welche die Behandlung unterstützen.
Weiterer Grund ist der Wachstumsschub in dieser Lebensphase: Der Körper, somit auch Kieferknochen und weiches Gewebe rund um die Zähne, sind in Bewegung; die kieferorthopädische Behandlung nimmt die neu entstehenden Zellen sozusagen gleich dorthin mit, wo sie gemäß Plan der Natur eigentlich sein sollten. „Hierzu eignet sich besonders der Hauptwachstumsschub in der Pubertät. Bei Mädchen ist er ab zehn Jahren, bei Jungen ab zwölf Jahren zu erwarten“, erläutert Prof. Radlanski. Kieferorthopädie arbeitet also mit dem natürlichen Gewebe zusammen; die Natur lässt sich aber nicht hetzen – deshalb dauert eine Zahnumstellung in der Regel mehrere Jahre.
 
Kieferorthopädie im Alter
Hartnäckig hält sich das Missverständnis, kieferorthopädische Behandlungen seien ausschließlich während dieser Wachstumsphase möglich, also lediglich bei Kindern und Jugendlichen. Doch solange die Zähne gesund und genügend Knochenstruktur vorhanden sind, gibt es keine Altersgrenze. „Die Kieferorthopädie ist in Diagnostik und Therapie sehr vielfältig und sie umfasst die Zeitspanne vom Säuglingsalter bis zum Hochbetagten, der noch alle oder zumindest letzte Zähne trägt“, so Prof. Radlanski.
Daher erzielt Kieferorthopädie bei Erwachsenen ebenfalls beachtliche Behandlungserfolge: Manche holen eine klassische kieferorthopädische Behandlung nach, die ihre Familie in der Kindheit nicht ermöglichen konnte oder wollte. Andere leiden unter Kauproblemen oder Schmerzen aufgrund des gestörten Zusammenspiels von Ober- und Unterkiefer und lassen dies einstellen. Manche haben Munderkrankungen, gerade stehende Zähne erleichtern hier Behandlung und Ausheilung. Wieder andere benötigen Zahnersatz, für den jedoch nicht der erforderliche Platz vorhanden ist – diesen schaffen dann Kieferorthopäden für den behandelnden Zahnarzt oder Implantologen. Viele Kau- und Haltungsbeschwerden, die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), haben ihre Ursachen mitunter ebenfalls in einer falschen Zahnstellung und lassen sich mit den verschiedenen kieferorthopädischen Geräten wirksam beheben.